Verkehr und Energie: Ein Dilemma

Aktualisiert: 6. Juni 2019

Warum die Debatte über E-Mobilität energiepolitisch nicht ehrlich geführt wird.


Wäre der Klimapolitik geholfen, wenn alle diese Autos elektrisch fahren würden?

Der gesamte Energieverbrauch in Deutschland beläuft sich nach Angaben des Bundesumweltamtesvon 2018 auf etwa 2400 TWh im Jahr. Gut 30 % davon, etwa 750 TWh, verbraucht der Verkehr. Das ist mehr als Industrie (28 %) und Haushalte (26 %). Zweidrittel des Verbrauchs geht auf das Konto von Personen-kraftwagen, 31 % Prozent verbrauchen die Lastkraftfahrzeuge. 99 % dieser Energie wird durch Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt, nur ein Prozent der Fahrzeuge fährt mit Strom.

Der Verkehr ist der größte Klimaschädling. Logischerweise, denn der Verkehr ist zu einem Drittel an der Emission der CO2 Gase beteiligt ! Es klingt auf den ersten Blick daher plausibel, wenn die öffentliche Diskussion sich auf die E-Mobilität stürzt, in der Hoffnung, Elektromotoren würden die CO2-Emissionen des Verkehrs drastisch verringern. Aber schon ein Blick auf die Stromerzeugung zeigt, dass das eine Milchmädchenrechnung sein könnte. Der Strom in Deutschland wird nicht ökologisch erzeugt, sondern zu 66 % aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Folglich würden auch die Elektroautos zu 66 % mit Erdgas, Braunkohle oder Steinkohle gefahren. Kein wirklicher Durchbruch also.

Der zweite Teil der Rechnung sieht aber noch ganz anders aus. Die gesamte Menge an Strom, die in Deutschland jährlich verbraucht wird, beläuft sich auf 514 TWh im Jahr - zur Hälfte (=278 TWh) erzeugt von 148 Kohlekraftwerken ( wikipedia/Der Spiegel). Wohl gemerkt: Das ist die gesamte Summe des in Deutschland erzeugten Stroms. Diese 514 TWh Strom sind aber viel weniger, exakt nur 68 % der Energie, die der Verkehr verbraucht. Wollte man wirklich alle Autos mit Elektromotoren ausstatten und diese mit Strom versorgen, müsste die Stromversorgung um weitere 146 % gesteigert werden. Das wird nicht so einfach sein, denn dazu müsste man beispielsweise rund 400 neue Kohlekraftwerke bauen. Oder vielleicht 100 neue Kernkraftwerke?

Eine volle Elektrifizierung des Automobilverkehrs wäre klimapolitisch nur dann vertretbar, wenn der Strom zu 100 % erneuerbar wäre. Oder anders ausgedrückt: die Bundesrepublik Deutschland müsste in der Lage sein, 1264 Terawattstunden mit Wind, Sonne, Wasser und Biomasse zu erzeugen. Im Momemt beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien 36 % (= 185 TWh). Um ein Ziel wie dieses zu stemmen, müsste der Ausbau der erneuerbaren Energien versiebenfacht werden.

So oder so - ein durch und durch gruseliges Szenario.

Wenn der Verkehr einen substantiellen Beitrag zur Reduktion der Klimagase leisten soll, dann muss er strukturell verändert werden. Er muss vom jetzigen Automobil-Zentrismus auf andere Verkehrsträger umgestellt werden. Auch das belegen die statistischen Aussagen des Bundesumweltamtes : 72 % aller Verkehrswege werden mit dem Auto absolviert - aber hauptsächlich nicht, um zur Arbeit zu pendeln (9 %), sondern um das Fahrzeug für Shopping und Freizeit zu benutzen (66 %). Der öffentliche Nahverkehr hat nur einen Anteil von 7 % an den Verkehrswegen, Fahrrad und zu Fuß gehen jeweils nur 3 %.

Hier ist wahrlich »Luft für Veränderung«.

Und doch könnte die E-Mobilisierung ein zusätzlicher Beitrag zur Verhinderung der Klimakatastrophe sein! Was wäre, wenn nicht das Auto, sondern das Fahrrad das ideale E-Fahrzeug in Verbindung mit einem elektrisch betriebenen öffentlichen Nahverkehrssystem wäre? Dazu müsste der ÖPNV sich allerdings ganz anders aufstellen. Und zwar im Wortsinne: durch die Eroberung der ersten Etage (der + 1 Ebene im urbanen Verkehr). Das SUN GLIDER Smart Metro System zeigt uns, wie man eine Hochbahn konstruieren kann, dass sie selbst und zu 100% den Strombedarf der Hochbahn sowie von weiteren 200 autonomen Bussen und von 500 Elektro Fahrrädern erzeugt.

Dazu müssten allerdings die gesamte Bahntrasse und alle Bahnhöfe mit Photovoltaik überbaut werden. Das ist heute, angesichts der dramatisch gesunkenen Kosten für PV Module nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich machbar. Unsere Untersuchungen zeigen, dass eine solche Konstruktion 131 % des Stromeigenbedarfs herstellen könnte. Wenn man das mit dem herkömmlichen Szenario von oben vergleicht kommt man ziemlich schnell zu der Frage:

Warum machen wir das nicht sofort?


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